CDU-Stadtratsfraktion gedenkt am 100. Todestag der Ermordung Matthias Erzbergers

Die CDU-Stadtratsfraktion legte wie in den Vorjahren am Ebert-Erzberger-Rathenau-Denkmal am Herrenteichswall einen Kranz nieder und gedachte des von Rechtsextremisten vor genau 100 Jahren ermordeten Reichsfinanzminister Matthias Erzberger. An der Veranstaltung nahmen Mathias Middelberg MdB, Burkhard Jasper MdL, Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann, Ratsvorsitzende Rita Feldkamp, Oberbürgermeisterkandidatin Katharina Pötter, CDU-Kreisvorsitzende Verena Kämmerling, CDU-Fraktionsvorsitzender Fritz Brickwedde und weitere Mitglieder des Stadtrates teil.

Rede des CDU-Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde anlässlich des 100. Jahrestages der Ermordung von Reichsfinanzminister Matthias Erzberger:

Wie in jedem Jahr versammeln wir uns an diesem Osnabrücker Denkmal für Demokratie und Rechtsstaat. Wir gedenken des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Ebert, des liberalen Reichsaußenminister Rathenau und vor allem heute an seinem 100. Todestag, des christlich-demokratischen Reichsfinanzministers Erzberger. Alle drei stehen für die Weimarer Republik und den Kampf für unsere Demokratie.

Matthias Erzberger wurde 1903 mit 28 Jahren direkt in Württemberg für die Zentrumspartei in den Reichstag gewählt. Dort wurde er zu einem Kritiker der Kolonialpolitik, kam in den Haushaltsausschuss und den Fraktionsvorstand.

Seine erste große politische Tat war 1917 die Einbringung einer Friedensresolution, die der Reichstag verabschiedete. Er setzte sich mitten im 1. Weltkrieg für einen Verständigungsfrieden ohne Annexionen ein.

Im Oktober 1918 wurde Erzberger Minister im Kabinett des Reichskanzlers Max von Baden. Als Bevollmächtigter der Reichsregierung und Leiter der Waffenstillstandskommission unterzeichnete er in Frankreich das Abkommen, das den 1. Weltkrieg beendete. Die Anhänger der „Dolchstoßlegende“ bezeichneten ihn deshalb als „Novemberverbrecher“.

Als Reichsfinanzminister 1919/1920 setzte Erzberger das umfangreichste Reformwerk der deutschen Steuer- und Finanzgeschichte durch und legte die Grundlagen für das heute noch vorhandene deutsche Steuersystem.

Die Hetzpropaganda gegen Erzberger führte zu Prozessen und Attentaten. Am 26. August 1921 -genau heute vor 100 Jahren- schossen zwei Angehörige rechtsextremer Organisationen sechsmal auf ihn. Zwei weitere gezielte Kopfschüsse töteten Matthias Erzberger.

Beide Attentäter flohen ins Ausland und kamen 1933 nach Deutschland zurück. Erst nach dem Ende der NS-Herrschaft wurden sie zu Haftstrafen verurteilt.

2011 wurde der Festsaal des Bundesfinanzministeriums nach Erzberger benannt. Das Bundestagsgebäude Unter den Linden 71 trägt seinen Namen.

In Osnabrück wurde 1928 im Auftrag des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold das Ebert-Erzberger-Rathenau-Denkmal errichtet. Architekt war der dem Bauhaus nahestehende Justus Haarmann, Sohn des Hüttendirektors August Haarmann, der den Brunnen am Anfang des Herrenteichwalls in Auftrag gab.

1933 wurde das Denkmal auf Beschluss des Magistrats von der SA abgerissen.

Es geriet in Vergessenheit bis 1980 die CDU-Stadtratsfraktion den Antrag in den Rat einbrachte, das republikanische Denkmal wieder aufzubauen. Dem folgte der Rat einstimmig. 1983 wurde das Denkmal wieder eingeweiht und 2000 saniert.

Ich schließe mit einem Zitat aus der Erzberger-Biographie von Klaus Werner Epstein:

„Er starb als Märtyrer für die Sache der Republik und die deutsche Demokratie verlor mit ihm einen ihrer mutigsten Vorkämpfer.“

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